Die MedailleDie MedailleEs ist Samstag Morgen, Winni und ich sind im Zug auf direktem Weg nach Berlin.
Da wir dachten, das Samstag früh niemand mit dem Zug fahren würde, hatten wir keine Plätze reserviert.
Die Verbindung hatten wir ja eh erst am Vorabend ausgesucht.
Und an genau dem Vorabend machte Winnis Gesundheit Probleme, so dass er ein leckeres Flammkuchen Essen sausen lassen hat.
Der auserwählte Zug war leider anders wie erwartet krachend voll.
Hauptsächlich wohl mit Leuten, die ebenfalls bis nach Berlin durchfahren wollten, natürlich zum Marathon.
Wir machten es uns also im Türbereich den Umständen entsprechend bequem.
Zwischendurch hatten wir mal kurz einen Sitzplatz, wurden aber schnell wieder vertrieben.
Ich las zwischendurch noch das große Laufbuch und Zeilen wie "am Vortag eines Marathons sollte man sich nicht stundenlang die Beine in den Bauch stehen".

Naja, aber wir wollen ja Tough Guys werden...
Angenehm war es natürlich trotzdem nicht.

Benny und WinniBenny und WinniGegen halb 2 kamen wir dann endlich in Berlin an und mein Vater holte uns ab.
Zusammen mit meinen Eltern, meiner Schwester, meinem Schwager und meiner Nichte haben wir leckeren Kohlenhydratreichen Kuchen verdrückt.
Nicole hat uns vorher die Startunterlagen von der Marathonmesse (am westlichen Rande von Berlin...) besorgt.
Wir sprachen uns ab, wo sie uns am Straßenrand anfeuern wollten.
Kurz nach dem Straußberger Platz wollten sie auf uns warten.
beim Grillenbeim GrillenDen Abend haben wir nicht mit einer normalo Pastaparty beendet, sondern noch schön gegrillt.
Nicole hat uns liebenswerter Weise trotzdem noch einen Nudelsalat gemacht.
Ein letztes Bier habe ich noch getrunken, Winni (soweit ich weiß) sogar noch ein paar mehr.
Gar nicht mal so spät haben wir den Abend auch schon ausklingen lassen.
Es war schon dunkel draußen, so dass es uns viel später vorkam, als es eigentlich war.

Am Sonntag ging es früh raus. Ich weiß schon gar nicht mehr wann mein Wecker klingelte.
Wir aßen noch einmal zusammen Frühstück und bereiteten unsere "Startbeschleuniger-Getränke" vor.
Mein Vater Ingo, brachte uns dann noch zum S-Bahnhof, da mit dem Auto eh kein Durchkommen möglich war.
Am Bahnhof standen natürlich schon wieder etliche andere Läufer und Helferteams.
Der Morgen war glücklicher weise nicht so kalt wie eine Woche zuvor in Karlsruhe.
In der S5 sprach uns schon der erste Mitläufer an.
Er erzählte von der schönen Berliner Strecke und verglich sie mit den anderen bekannteren Strecken.
Der Zug wurde immer voller und voller - wo wollten die wohl alle hin?!
Am Hauptbahnhof stiegen wir aus und liefen mit der Masse zum Startplatz.
Jeder noch so kleine Busch auf dem weg wurde freundlicher weise von den Läufern gegossen.

Am Platz der Republik standen die Kleiderzelte - unendliche Weiten von Zelte.
Wir zogen uns um, schmierten uns mit Vaseline ein und brachten unsere Beutel weg.
Winni und ich mussten in verschiedene Richtungen gehen, da unsere Startnummern ein paar tausend Zahlen auseinander waren.
Und das obwohl wir uns zeitgleich, wenn nicht sogar gemeinsam, angemeldet hatten.
Benny im gelben SackBenny im gelben SackBei der Kleiderabgabe nahmen wir gleich noch gelbe Säcke zum Überstreifen mit, damit wir nicht auskühlen.
Solangsam schlenderten wir zu den Startzonen, die gefühlt gigantisch groß waren.
Da man als neuer Läufer erstmal in den letzten Startblock positioniert wird, und man sich nur auf der Messe hätte ummelden können, versuchten wir unser Glück in einen passenden, schnelleren Block reinzukommen.
Leider wurden bei den Einlässen kontrolliert und wir wurden nach hinten verwiesen.
Das machte aber so kurz vor dem Start eigentlich auch keinen Sinn mehr noch einmal Kilometer weit außen rum nach hinten zu laufen.
Also machten wir es wie alle anderen auch und kletterten über die Bande.
Die Läufer waren alle hilfsbereit und halfen sich gegenseitig beim Rübersteigen.
Es macht auch keinen Sinn als schnellerer Läufer im 6 Stunden Block zu laufen.
Durch Ausweichen, Stoppen und Springen würde man wohl fast die doppelte Strecke laufen und am Ende dreimal so kaputt sein.
Wir trennten uns noch vor dem Rübersteigen von unseren gelben Säcken.
Die Startblöcke waren so krachend voll, so dass wir uns mittendrin wohl nicht mehr ausziehen hätten können.

StartzoneStartzoneÜber uns kreisten 5,6 Hubschrauber.
Joachim Löw und Klaus Wowereit übernahmen den Startschuss.
Wie üblich passierte in unserem Block noch nichts.
Es wurde sowieso mehrfach gestartet.
Die Hubschrauber flogen natürlich sofort Haile Gebrselassiewhatever und Irina Mikitenko hinterher.
Wenig Später kam ein Alibihubschrauber wieder zurück, um unseren Start zu filmen.
Aber ich glaube der hatte die Kamera schon gar nicht mehr an. ;)
Irgendwann merkten wir, dass alle links an uns vorbeiliefen, wo wir rechts noch standen.
Wir liefen also links aus dem Block raus und siehe da, man konnte den Startbogen sehen.
Warum standen die rechts noch alle? Gab's da vorher noch was umsonst?

Wir passierten den Startbogen und plötzlich stoppte Winni und drehte sich um.
Ich war erschrocken, aber er war schnell wieder neben mir.
Da hatte jemand eine Packung Taschentücher verloren, die Winni mit seiner Erkältung gerade recht kamen.
Er hatte nämlich keins dabei und ich natürlich auch nicht.
Ich klemmte mir eines von denen unter das Schweißband.

Der erste und größte Kreisverkehr folgte direkt - die Siegessäule.
"Würden wir heute über unseren Schweinehund siegen können?"
Wir nahmen die linke Seite.
Neben uns liefen komische Gestalten mit lustigen Hüten.
Einer hatte einen riesigen Hut aus diesen formbaren Luftballons auf dem kopf.
Schnell bemerkten wir auch, dass Berlin wohl der größte dänische Marathon sein musste.
Jeder zehnte Läufer, und damit über 3000 Dänen liefen beim Berlin-Marathon mit.

Winni und ich trennten uns leider wieder ziemlich früh.
Ich schaute mich immer mal wieder nach hinten um, habe ihn aber schnell nicht mehr in der Masse lokalisieren können.

Die ganze Strecke über stand Publikum am Straßenrand undfeuerte uns an - das haben wir so auch noch nicht erlebt.
Dafür war das Läufer-Feld auch bis zum Schluss sehr kompakt.
Überholen war fast nicht möglich.
Ich versuchte ab Kilometer 10 auf die linke Seite zu kommen, um meine Familie zu sehen.
Bei Kilometer 12 sah ich sie dann schon aus der Ferne.
Sie blicken jedoch direkt in die Menge neben sich.
Ich versuchte mit Pfeifen, Händewedeln und Schreien auf mich Aufmerksam zu machen - ohne Erfolg.
Dann hörte ich Dennis sagen "da ist er doch" und Nicole und Ingo sahen mich in letzter Sekunde.
Bei Winni muss das wohl ähnlich abgelaufen sein.
Danke euch trotzdem fürs Anfeuern! Das gibt noch einmal zusätzliche Motivation und Kraft!

Am Straßenrand standen etliche Bands, Cheerleader, Tänzer und Leute mit Radios.
Teilweise waren sogar ganze Balkons mit riesigen Boxen und Rammstein CD's bestückt.
Die Samba-Tänzerinnen sind natürlich auch ein Erlebnis...
Beim Halbmarathon holte ich mein Gel aus der Tasche, welches ich zur Premiere von Romeo und Julia von unserem Fechtmeister Christian erhalten habe.
Es war zwar ziemlich süß, schmeckte aber gar nicht so schlecht (Erdbeere-Banane).
Klasse fand' ich auch einen älteren Spielmann, der an seiner Orgel drehte.
Auf dem Kuhdamm haben sie passender weise gerade Mia gespielt -> "jedes Molekühl bewegt sich".

Das Wetter war optimal - nicht zu heiß und nicht zu kalt!
Die Sonne schien sogar so doll, das ich am Abend eine rote Stirn hatte.
Ich habe jeden Getränkestand mitgenommen und immer ein paar Schluck getrunken.
Man hatte eh keine große Wahl außen rum zu gehen, da einen die Masse praktisch zu den Ständen gedrückt hatte.
An einem Wasserstand entdecke ich neben mir eine Frau, die sogar barfuss lief.
Das muss ziemlich unangenehm an den Ständen gewesen sein, da der Boden glitschig nass und mit halb zerquetschten Plastikbechern gepflastert war.

Ab Kilometer 30 kamen die ersten "jetzt kommt der Schweinehund" Plakate.
Aber irgendwie kam er nicht zu mir. Ja wo war er denn?
Höchstens bei Kilometer 38 wurden die Beine mal etwas schwerer, aber nicht so dramatisch wieder jeder behauptet.
Auf der Höhe des Gendarmenmarkts war ein Teil der Strecke gepflastert, das war nicht so ganz angenehm, aber schnell vorüber.
Kurz darauf folgten die letzten Kurven Richtung Zielgerade und Brandenburger Tor.
Auf der langen Zielgerade standen 3 Bögen, die ersten um mich rum sind schon bei der Sichtung des ersten Bogens losgesprintet.
Ich habe sie schnell wieder einge- und überholt, nachdem sie entkräftet am Bogen angekommen sind.
Da liebe ich den Luxus einer GPS Uhr, die mir immer sagt, wie lang ich noch zu laufen habe, wenn ich mal ein Kilometerschild übersehen habe.
Die Stimmung kurz vor dem Brandenburger Tor (Ziel) war atemberaubend.
Das Publikum feuerte einen von Tribünen aus an und man fühlte sich so, als ob man in eine Arena einläuft - klasse!

Winni kam nach 04:19:33 und ich nach 03:54:28, nach 42,195km im Ziel an.

Im Ziel hieß es dann wieder Schlange stehen.
Ich rief daheim an, dass ich es überlebt hatte und lies mir eine Medaille, sowie ein Kunststoffhandtuch überstreifen.
Abgesehen von den verschiedenen Getränken war der Runners Heaven in Berlin nicht so toll wie in Karlsruhe.
In Berlin hat jeder nur einen kleinen Beutel mit magerem Inhalt erhalten.
Und das obwohl die Anmeldegebühr deutlich über der von Karlsruhe lag.
Wir fuhren wieder mit der S-Bahn nach Mahlsdorf zurück und feierten mit Sekt.

Benny und Winni danachBenny und Winni danachDas waren doch Klasse Zeiten für den ersten Marathon, nach nur 6,5 Monaten Training.
Gleichzeitig haben wir auch den 1000km Meilenstein geknackt!
Nicole besteht darauf, dass wir das nächstes Jahr wiederholen, denn sich möchte unbedingt noch einmal zur Marathonmesse - mal sehen was die Zukunft bringt!

[ Zur Bildergalerie ]
Die fehlenden Bilder von Karlsruhe habe ich gleich mit hochgeladen!

Bis jetzt habe ich 2 Wochen Pause gemacht.
So langsam muss das Training wieder los gehen!

Hier noch ein Youtube-Video vom Marathon: